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Radios im Busch Ein Überblick über Kommunalradios in Mosambik

Wieso Kommunalradios?

Daß die Unterstützung von Kommunikationsstrukturen ein gewichtiges Element der Entwicklungszusammenarbeit darstellt, steht längst außer Zweifel. Die österreichische Entwicklungszusammenarbeit realisierte in den letzten Jahren eine Vielzahl von Medienprojekten in Mosambik. Seit 1998 arbeitet das Österreichische Nord-Süd Institut an einem Pilotprojekt, daß vorsieht, in Búzi - einem Dorf in der Schwerpunktprovinz Sofala - ein Kommunalradio zu ermöglichen.

In einem Land mit einer Alphabetisierungsrate von knapp 58 Prozent für Männer, und erschreckenden 23 Prozent für Frauen, eignet sich das gedruckte Wort nur für die wenigen urbanen Zentren. Radio überwindet zudem das Problem des kosten- und zeitintensiven Transports von Zeitungen. Dazu kommt, daß in einem sprachlich so heterogenen Land wie Mosambik lokale Radiostationen die Kommunikation in lokalen Sprachen erst ermöglichen. Im Gegensatz zu herkömmlichen lokalen Radios erheben Kommunalradios den Anspruch, nicht nur für die Gemeinschaft zu senden, sondern auch von der Gemeinschaft gemacht zu sein. Damit soll ein interaktiver Prozeß eingeleitet werden, der einer Gemeinschaft interne Kommunikationskanäle eröffnet, um ihren Entwicklungsprozeß selbst zu steuern. Insofern stellen Kommunalradios kein Ziel der Entwicklungpolitik dar, sondern bieten ein Instrument zur Lenkung der Diskussion an.

Was sind Kommunalradios (und was sind sie nicht)?

Beim ersten Hinsehen sind Kommunalradios lediglich kleine, relativ billige Radiostationen im ländlichen Raum, die der "Community" dienen. Der linguistische Wildwuchs um die Begriffe Kommunalradio, "Community Radio", rurales Radios, lokales Radio, partizipatives Radio, "educational radio", oder alternatives Radio lichtet sich schnell durch eine negative Definition:

  • Kommunalradios sind nicht auf Gewinn ausgerichtet
  • Kommalradios stellen sich nicht eindeutig in den Dienst einer Ideologie oder einer Glaubensauffassung, wie etwa Radiostationen politischer Parteien oder religiöser Organisationen
  • Die Besitzstruktur eines Kommunalradio darf keiner Einzelgruppe ein übergroßes Mitspracherecht bei der täglichen Sendegestaltung einräumen.

Kommunalradios in Mosambik

Im Gegensatz zum benachbarten Südafrika gibt es in Mosambik momentan kein einziges funktionierendes Kommunalradio im engeren Sinn.

Das staatliche Instituto de Comunicação Social (ICS) führt als Logo den Namen mit einem Lautsprecher auf beiden Seiten. Bezeichnend, denn das ICS fungierte jahrelang als Einweg-Sendeorgan für staatliche Entwicklungspropaganda. Durch den multimedia-Ansatz des ICS gelang es jedoch, Entwicklungsanliegen auf low-tech Basis erfolgreich zu vermitteln. Das vom ICS in der Zeit der Einparteienherrschaft verwende Lautsprechersystem kann - mit Abstrichen - als Vorläufer von Kommunalradios betrachtet werden. Trotz guter Absicht gelingt es dem ICS nicht, den staatlichen Auftrag zur Einwegkommunikation gänzlich abzulegen. Gemeinsam mit dem staatlichen Institut für ländliche Entwicklung (Instituto de Desenvolvimento Rural - INDER) iniziierte das ICS vor zwei Jahren ein Lokalradioprojekt, das vorsieht, bis zu zwei Millionen Menschen am Land mit etwa 20 Sendern zu erreichen. Vorgesehen ist, ein "rurales Radio- und Fernsehnetz" (RRRTV) einzurichten. Trotz gesicherter Finanzmittel und der Beteiligung von fachlich kompetenten Partner wie Radio Mosabik dümpelt das Projekt allerdings vor sich hin.

Das zweite große Projekt mit einer Kommunalradiokomponente - durchaus auch als Konkurrenz - lief ebenfalls erst langsam an. Nach langen politischen Diskussionen - das partizipative Element von Kommunalradios machte es für die staatlichen mosambikanischen Institutionen latent suspekt - lief das "Media Development Project" der UNESCO erst 1998 richtig an. Momentan durchläuft das Projekt eine Pilotphase mit drei geplanten Radiostationen in Cuamba, Homoine, und Chimoio.

Mittelmäßigen Erfolg verzeichneten in den letzten Jahren die katholischen Lokalradios, "Radio Pax" in Inhamizua bei Beira und "Radio Encontro" in Nampula. Radio Pax hatte zum Ziel, schon vor den Wahlen 1994 auf Sendung zu gehen, was aber aufgrund von Importschwierigkeiten unmöglich war. Seither hat Radio Pax immer wieder mit finanziellen und logistischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Nach einer Sendepause im letzten Jahr scheint das Radio jetzt allerdings wieder zu senden. Schon zu Beginn konnte das Radio den Verein unabhängiger junger christlicher Journalisten miteinbinden, der jetzt Radio Pax managt. Radio Encontro in Nampula entwickelt ebenfalls die Tendenz, die "Community" immer stärker einzubinden. Trotzdem dienen auch die katholischen Stationen letztendlich einer Religionsgemeinschaft, und sind keine Kommunalradios im engen Sinn.

Stärker als die katholischen Radios warf sich die brasilianische Igreja Universal do Reino de Deus in den medialen Kampf im Radio- und Fernsehbereich. Aufgrund von rechtlichen Problemen im heimischen Brasilien konzentrierte die aufstrebende Sekte ihre Aktivitäten immer mehr auf das lusophone Ausland. Bevorzugtes Ziel scheinen in Mosambik die alten Kinogebäude zu sein, die sich, der Reihe nach von der IURD aufgekauft, hervoragend für die Massenspektakel der dubiosen Religionsgemeinschaft eignen. Ihre Radiostation in Sofala, Radio Miramar nahm in kürzester Zeit dem staatlichen Platzhirschen Radio Mosambik einen Großteil der Hörerschaft ab. Mit Schwerpunkt auf abwechslungsreicher Musik - wobei Radio Mosambik aus Geldmangel nicht mithalten kann - und auf fetzigen Moderationen etablierte sich Radio Miramar zum Radio der urbanen und jungen Schichten in und um Beira.

Kommunalradios von unten?

Im Idealfall organisiert sich eine "grassroot"-Bewegung mit dem Ziel, eine Sendestation für die Gemeinsschaft aufbauen. Was beispielsweise in Lateinamerika mit starkem Engagement der Gemeinschaft und der ausgeprägten "Lust auf Radio" möglich ist, scheint in Mosambik noch in weiter Ferne. Die Finanzierung von Kommunalradios ist auch bei minimal ausgerüsteten Stationen im Bereich von 500.000.- bis einer Million Schilling anzusiedeln, ohne starke externe Hilfe also unmöglich. Dabei von "mushrooming community stations" zu sprechen, wie im mosambikanischen Kontext oft zu hören, verkennt völlig die Tatsachen. Natürlich sind Entwicklungshilfeprojekt ihrem Charakter nach einem Top-Down Ansatz verpflichtet. Die einzig gangbare Alternative in Mosambik ist eine Mischform von Entwicklungszusammenarbeit auf der Basis von ausgiebiger Vorarbeit der kommunalen Partnerorganisationen.

Eine andere Möglichkeit, die in Mosambik durchaus schon andiskutiert wurde, aber noch weit von einer Realisation entfernt ist, ist die Einführung eines Kommunalradiotopfes. Von aussen eingezahlte Gelder werden von einem unabhängigen Gremium von Fall zu Fall aufgrund klarer Richtlinien vergeben. Dabei ist auch vorstellbar, eine Teilfinanzierung auf Kreditbasis zu ermöglichen.

Im schlechtesten Fall wird sich die Kommunalradio-Euphorie in Mosambik in einigen Jahren legen, und das Land mit einer erklecklichen Anzahl von lokalen Radiostationen zurücklassen. Im besten Fall wird es einigen Radiostationen gelingen, sich frei von politischen Einflüssen und pekuliären Interessen zu wahren Kommunalradiostation zu entwickeln. Damit stünde dem Land ein nicht zu unterschätzendes Instrument für die selbstbestimmte Entwicklung der Regionen in Mosambik zur Verfügung, ein wichtiger Katalisator für Diskussions- und Entscheidungsprozesse.

Dieser Artikel wurde ursprünglich für die österreischische Zeitschrift "A luta continua" geschrieben.


A journalist at work in Radio Mocambique Beira in central Mozambique.

 

© Thomas Winderl 1998-2007
Last Update: December 2007