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Die Politik der Katastrophenhilfe Es ist Zeit für eine erste Zwischenbilanz: Die Hubschrauber ziehen aus Mosambik ab, und die dramatischen Bilder sind aus den internationalen Medien verschwunden. Was bleibt von der ersten Naturkatastrophe im dritten Jahrtausend? Eines steht fest: Optimal lief die Hilfe für das überschwemmte Mosambik nicht ab. "Zu wenig, zu spät", lautet der Grundtenor der Betroffenen. Sogar der diplomatische Präsident Joaquim Chissano konnte sich subtile Kritik nicht verkneifen, als er davon sprach, dass die Hilfe etwas spät eintraf, aber jetzt in vollem Gange sei. Die Macht der Bilder Es stimmt nicht, dass die internationale Gemeinschaft überrascht wurde, wie oft argumentiert wird. Spätestens seit der ersten Überschwemmung am 9. Februar wurde klar, dass rasch Nothilfe gefordert war. Nur fünf südafrikanische Helikopter waren am Beginn im Einsatz. Und sogar diese wurden nach wenigen Tagen fast abgezogen, weil niemand für den extrem teuren Rettungseinsatz bezahlen wollte.
Damit kamen die ersten dramatischen Videobilder auf die ausländischen Bildschirme. Vor allem die Rettung des auf einem Baum geborenen Babys gab den richtigen emotionalen Unterton für die Berichterstattung ab. Die südafrikanischen Piloten, die in den ersten Wochen die Rettungsaktionen fast im Alleingang durchführten und mehr als 10.000 Menschen von Bäumen und Häusern pflückten, wurden als moderne Helden gefeiert. Die Mutter des Neugeborenen, Sofia Pedro, wurde kurzzeitig zum Fernsehweltstar. Die professionelle Medienarbeit des WFP und von UNICEF, bei der jeder zweite Satz von den fehlenden Geldmittel handelte, machte auf die Weltöffentlichkeit Eindruck. Unkoordinierte Spontanhilfe Danach fand sich Mosambik plötzlich im Zentrum der Weltöffentlichkeit wieder, und ein unkoordinierter Schwall von Hilfslieferungen traf ein. Der Journalistentross besetzte die Hotels in Maputo, und am Flughafen der Hauptstadt kamen unangemeldet Flugzeuge mit Tonnen von Materialen an, die die Kapazitäten der Koordinatoren weit übersteigten. 53 Flugzeuge und Helikopter, 1.000 Soldaten aus sieben Ländern, und 1.400 Helfer überschwemmten plötzlich Mosambik. Die UN-Profis waren völlig überfordert Die Katastrophe traf die mächtigen UN-Organisationen im Lande wie aus heiterm Himmel. Der Repräsentant der Koordinationsorganisation UNDP befand sich gerade im Ausland, und hielt es tagelang für nicht nötig, nach Mosambik zurückzukehren. Die UN-Organisationen hatten grosse Schwierigkeiten mit der internen Koordination und der Absprache mit der mosambikanischen Regierung. So kamen etwa einen ganzen Tag lang bereitstehende Helikopter nicht zum Einsatz, weil die Zuständigen der Regierung die Handys ausgeschaltet hatten. Die mosambikanische Regierung war paralisiert Wo blieb die mosambikanische Regierung und die Armee? Die Regierung konnte oder wollte die Lage im Land nicht erkennen. Es stimmt, dass die nach dem Bürgerkrieg demobilisierte mosambikanische Armee nur über einen Helikopter und ganz wenige Boote verfügt, und nicht für solche Notfälle ausgebildet ist. Dennoch fiel es auf, dass in den erste Wochen die Streitkräfte des Landes völlige Abwesenheit demonstrierten. Für das Informationsdefizit der Regierung spricht die anfangs entspannte Berichterstattung der grossen lokalen Medien wie der Zeitung "Notícias" oder dem nationalen Fernsehen TVM, die in den ersten Tagen kaum - und wenn mit veralteten Bildern - über die Flutkatastrophe berichteten. Böse Zugen in Maputo behaupten allerdings, dass die Regierungspartei FRELIMO nach den gewonnen Wahlen keinen Zwang verspürte, der sich anbahnenden Katastrophe entgegenzutreten. Die Opposition schweigt Die innenpolitische Lage in Mosambik ist nach dem etwas dubiosen Wahlausgang im Dezember 1999 gespannt. Eigenartigerweise spielte die katastrophale Lage im Süden des Landes kaum eine Rolle in dieser innenpolitischen Konfrontation. Das Oppositionsblatt "Savana" brachte es Anfang März gar fertig, während der spekakulären Rettungsaktionen eine Ausgabe herauszubringen, in der sich nur ganz versteckt im Blattinneren eine Mitteilung zu den Überschwemmungen befand. Lernen aus Mosambik? Die mosambikansche Regierung unter Joachim Chissano zeigte sich uninformiert, konnte die Massnahmen nicht koordinieren, und setzte die bescheidene Armee überhaupt nicht ein. Die Profis der UN-Organisationen waren nicht vorbereitet, und hatten keinerlei Mittel zur Verfügung, um die teuren Rettungsoperationen kurzfristig zu finanzieren. Die Staatengemeinschaft regierte langsam und erst, als die Übermacht der Fernsehbilder die Emotionen hochgehen liess. Auch im Zeitalter der Globalisierung der Information ist es ausschlaggebend, dass die richtigen Nachrichten auf unseren Fernsehern landen. Es gibt noch mehr dunkle Ecken im globalen Haus, als von den Fortschrittsgläubigen wahrgenommen wird. Nachrichten sind immer noch nur dann Nachrichten, wenn sie über die Fernsehschirme flimmern, auch im 21 Jahrhundert. Und die internationale Gemeinschaft reagiert nur, wenn auf die Tränendrüse gedrückt wird. Dieser Text erschien erstmals in den "Oberösterreichischen Nachrichten", 23.03.2000 |
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© Thomas Winderl 1998-2007 |
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