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Musterschüler der internationalen Gläubiger Mosambik hat sich zum Musterland der internationalen Geldgeber gemausert. Kein Wunder, das Interesse des reichen Auslandes an dem afrikanischen Hoffnungsland boomt.
Besucherstreß Nicht erst durch den überraschend hohen Schuldenerlaß durch Weltbank und Internationalen Währungsfonds (IWF) vom 30. Juni drängt sich das Land am Indischen Ozean auf den Reiseplan des politischen Establishments. Seit Ende des Bürgerkriegs und der Unterzeichnung des Friedensabkommens von Rom 1992 geben sich ausländische Regierungen und Organisationen die Klinke in die Hand. Durch den erfolgreichen Einsatz von UNO-Friedens-truppen zu einem seltenen Vorzeigeprojekt in Afrika avanciert, zog Mosambik immer stärker das Interesse des reichen Auslandes an. Der Troß der jetzt 200 nichtstaatlichen Hilfsorganisationen ließ sich bereitwillig in der hübschen Hauptstadt Maputo nieder. Heute werden etwa 60 Prozent der Ausgaben der mosambikanischen Regierung von ausländischen Geldgebern finanziert. Durch die Kölner HIPC-Initiative wurden dem Land 57 Prozent der Gesamtschulden erlassen, weit mehr als allen anderen betroffenen Staaten. Damit rückt Mosambik zum Musterland der internationalen Geldgeberszene auf und wird erstmals alle Schulden zurückzahlen können. Als Portugal seine Kolonie am Indischen Ozean 1975 in die Unabhängigkeit entließ, war Mosambik ein ohnmächtiges Land. Zehn Millionen Menschen hatten keinen Zugang zu Gesundheitseinrichtungen, und 93 Prozent der Bevölkerung waren Analphabeten. Nachdem sie von westlichen Regierungen abgewiesen wurden, wandte sich die Mosambikanische Befreiungsfront (FRELIMO) an die Sowjetunion um Hilfe. Die zunehmend marxistische FRELIMO löste allerdings in dem noch von Weißen regierten Rhodesien, dem heutigen Simbabwe, und im Apartheid-Südafrika Unmut aus. Die von den Nachbarn protegierte Nationale Widerstandsbewegung (RENAMO) verwickelte das Land in einen blutigen Bürgerkrieg, der einer Million Menschen das Leben kostete. Erst mit den freien Wahlen 1994 kam das Land langsam zur Ruhe. Die Widerstandskämpfer der RENAMO wurden mit Geschenken und Posten zufriedengestellt, und die regierende FRELIMO schwor der sozialistischen Ideologie ab. Unter dem Druck der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds implementierte die neue Regierung ein marktwirtschaftliches Reformpaket, das allerdings die Lage für die vielen Armen nicht verbesserte. Die Hauptstadt Maputo galt - als sie noch Lourenço Marques hieß - als eine der schönsten Städte Afrikas. Alte portugiesische Kolonialbauten reihen sich an experimentale Villen im Bauhausstil. Die neue Mittelklasse promeniert gemeinsam mit den ausländischen Entwicklungsarbeitern an der palmengesäumten Küstenstraße vor der Hauptstadt, der "Sonnenküste", oder sitzt in den vielen Terrassencafes der Hauptstadt. Gab es vor wenigen Jahren noch kaum Autos, so kann das lokale Stadtradio heute live von Verkehrsstaus im Zentrum berichten. Dazu führte die Konzentration der Hilfsorganisationen mit ihren lokalen Angestellten zu einer explosionsartigen Entwicklung der "weißen" Viertel der Stadt. Kaum einige Kilometer außerhalb beginnt das richtige Mosambik. Hier entspricht der Status Mosambiks als eines der zehn ärmsten Länder der Welt der Realität. Riesige Gebiete des Landes, vierundzwanzigmal größer als Österreich, sind nur aus der Luft zu erreichen. Strom und Trinkwasser beschränken sich auf die wenigen Städte. Bei einer landesweiten Lebenserwartung von 44 Jahren sterben jährlich 200.000 Kinder, bevor sie das fünfte Lebensjahr erreichen. Zweifel am Erfolg Der mosambikanische Präsident Joaquim Chissano und internationale Interessengruppen wie die Initiative "Erlaßjahr 2000" bezweifeln deshalb die Effektivität des HIPC-Plans. Die Mitte Juli veröffentlichte Arbeitslosenrate von über 60 Prozent läßt eine kurzfristige Besserung der wirtschaftlichen Lage kaum zu. Mosambik wird in Zukunft durch die HIPC-Initiative die Ausgaben im Gesundheits- und Erziehungsbereich drastisch reduzieren müssen. Auch wenn - wie vom Internationalen Währungsfonds vorgesehen - im Jahr 2001 die Schuldenzahlungen auf 11 Prozent des mosambikanischen Staatsbudgets schrumpfen, wird das immer noch soviel sein, wie insgesamt für Gesundheit ausgegeben wird. Es ist eine Ironie der jüngsten Geschichte, daß mit dem Frieden und der Öffnung Mosambiks die Infektionsrate durch Aids steil nach oben schießt. Nichtstaatliche Quellen sprechen jetzt schon von einem Viertel der Bevölkerung. Damit reduziert sich die schon geringe Lebenserwartung weiter. Das strapazierte und rudimentäre Gesundheitswesen wird völlig aus den Angeln gehoben. Trotz des Schuldenerlasses gilt deshalb für Mosambik weiterhin der für überholt gehaltene marxistische Schlachtruf der FRELIMO nach der Unabhängigkeit: "A lutta continua!" - Der Kampf geht weiter! Der HIPC-Plan soll Mosambiks drückende Schuldenlast reduzieren Der sogenannte HIPC-Plan ("highly indebted poor countries" - hochverschuldete arme Länder) soll 41 Ländern die wirtschaftliche Weiterentwicklung ermöglichen. Finanziert wird der Schuldenerlaß teilweise durch Goldverkäufe des Internationalen Währungsfonds. Mosambik, das sich nach Bolivien, Burkina Faso, der Elfenbeinküste, Guyana und Mali als fünftes Land für den Plan qualifizieren konnte, wird damit nach Vorstellung der Gläubiger seine Verpflichtungen auf ein nachhaltiges Niveau reduzieren können. Fast 40.000 Schilling betrug vor kurzem noch der Schuldenberg jedes mosambikanischen Staatsbürgers. Das bedeutete bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von etwa 1000 Schilling eine untragbare Last, die eine schnelle Entwicklung des zerstörten Landes unmöglich machte. Von 1995 bis 1998 bezahlte Mosambik durchschnittlich 114 Millionen US-Dollar pro Jahr an die Geldgeber, mehr als das Land für Gesundheit und Erziehung ausgab. Durch den HIPC-Plan werden Mosambik 57 Prozent der Gesamtschulden erlassen, das sind 3,7 Milliarden US-Dollar. Erlaßjahr 2000 Die weltweite Initiative "Erlaßjahr 2000" fordert eine umfassende Schuldentilgung für Entwicklungsländer zur Jahrtausendwende. Dabei sollen alle Schulden, die über fünf Prozent des durchschnittlichen Exporterlöses hinausgehen, als unbezahlbar erlassen werden. Ein unabhängiges und transparentes internationales Insolvenzverfahren müßte den gläubigerzentrierten HIPC-Plan ergänzen. Mittlerweile unterschrieben weltweit über 15 Millionen Menschen für die totale Entschuldung der ärmsten Länder. Die Initiative orientiert sich an Leviticus 25,10: "Heiligt das fünfzigste Jahr und verkündet Freiheit für alle Bewohner. Ein Erlaßjahr soll es für euch sein." abgedruckt in: Oberösterreichische Nachrichten, 27.07.1999. S.3
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© Thomas Winderl 1998-2007 |
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