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Stadtlexikon Maputo - Ein eklektisches Lexikon von b bis x

b wie bauhaus
Lourenco Marques, der Name Maputos bis zur Umbenennung durch Präsident Samora Machel um 9 Uhr 30 am  3 Februar 1976, war ein Laboratorium für die Anhänger des Bauhausstil. Zwischen den portugiesischen Hochhäusern in Maputo finden sich noch viele dieser Häuser, meist halb verfallen.

c wie chapa cem
Chapa heißt Blech. Dieses Blech bedeckt die Personenkabinen der Taxis für die breite Masse der Bevölkerung. Diese "semikollektive Transportmittel" fahren fixe Linien, ihre Einstiegstellen und Ausstiegsstellen sind für nichteingeweihte schwer zu finden. Die unleserlichen japanischen Zeichen auf vielen Chapas deuten auf ihren früheren Einsatzort hin. "A Luta Continua", der Kampf geht weiter, Slogan nach der Unabhängigkeit und Solidaritätslied von Miriam Makeba,  bedeutet heute den täglichen Kampf um die Chapas, bei dem schon eimal potenzielle Passagiere am Boden liegen bleiben. Weil Zeit auch Geld ist, rasen die Chapas mit offenen Türen. Fahren ist lebensgefährlich.

d wie dois M
Das Triumphirat der mosambikanischen Biertrinker besteht aus den Sorten Manica, Laurentina, und Dois M. Dois M ist portugiesisch und steht für zwei M. Diese zwei M stehen wiederum für MacMahon, französischer Präsident der zweiten Republik.
MacMahon wurde im Streit zwischen Buren und Briten um den Zugang zur Delagoabucht des heutigen Maputos zur Schlichtung angerufen. MacMahon, nach seiner Zerschlagung der Pariser Kommune 1871 Präsident, entschied 1975 für die Gültigkeit des Abkommens zwischen Buren und Portugiesen. Als Zeichen der Dankbarkeit nannten die Kolonialherren ihr Bier "zwei M", "dois M", und einen Platz in Lourenço Marques "Praca dos MacMahon". Nach der Unabhängigkeit wurde daraus der "Arbeiterplatz", der "Praça dos Trabalhadores". Nur der Biername blieb bisheute gleich.

e wie eiffel, Gustav
Eiffel baute nicht nur den nach ihm benannten Turm, vom dem ein Franzose sagte, daß er in Paris am liebsten auf dessen Spitze wäre, weil das der einzige Platz sei, an dem man den Turm NICHT sieht. Auf der anderen Seite der Weltkugel baute er den Bahnhof von Maputo, der an einem ruhigen Sonntag mit seinem Marmordecor und den Milchglastüren wie ein Relikt aus der Zeit der Dampflokomotiven vom Beginn dieses ausgehenden Jahrhunderts wirkt. Gustav Eiffel selbst besuchte allerdings nie Mosambik. Seine Schüler entwarfen 1892 das "Caso de Ferro", das Eisenhaus, dessen Eisenplatten fertig aus Portugal importiert wurden. Einziges Problem: Da in einem tropisch heissen Land die Eisenplatten eine konstante Hitze garantieren, zog der portugiesische Generalgouverneur nie in diesen unsäglichen Bau ein.

 

h wie hochhaus
Das Portugiesenhochhaus an der Costa do Sol ragt einsam in den Himmel an der bäumengesäumten Sonnenküste. Bei näherem Hinsehen gähnt allerdings ein luftleerer Raum zwischen allen Stockwerken. Das Hochhaus wurde vor der Unabhängigkeit von den portugiesischen Kolonialherren errichtet, um ihren Willen zu demonstrieren, NIEMALS ihre Kolonie aufzugeben. Als sich allerdings 1975 das Kolonialregime fluchartig zurückzog, sabotierten die einstigen Herrscher den Bau für alle Zukunft, indem sämtliche Rohre mit Zement zugeschüttet wurden. Da für das unabhängige Mosambik eine Nutzung unmöglich und eine Sprennung zu teuer war, steht das Hochhaus heute noch im Naherholungsgebiet Maputos als ein deutlich sichtliches Symbol für die 185.000 Portugiesen, die dem Land den Rücken kehrten.

i wie informeller geldzyklus
Ein Korruptionswitz: 
Ein asiatischer Beamter lädt seinen afrikanischen Kollegen zu sich ein.  Der Afrikaner ist ganz erstaunt über das riesige Haus und den Swimmingpool. Auf die Frage, woher das alles komme, antwortet der Asiate: "Siehst Du die Straße dort drüben? Dreissig Prozent für mich." Beim Gegenbesuch in Afrika staunt der asiatische Beamte nicht schlecht. Das Haus seines Gastgebers ist noch größer, und es gibt nicht nur einen, sondern gleich zwei Swimmingpools, inclusive Jacuzzi-Bad. Auf sein Erstaunen antwortet der Afrikaner: "Siehst Du die Straße dort drüben?" "Nein." "Hundert Prozent davon". 

k wie kathedrale

Die weiße katholische Kathedrale im Zentrum Maputos wurde nicht von Jungfrauen gebaut. Als die Kolonialherren 1944 Helfer zum Bau benötigten, sammelten sie junge Mädchen von der Straße auf, und unterzogen sie einer Prüfung. Die, die keine Jungfrauen mehr waren, wurden zu Prostituierten erklärt. Da niemand die Geldstrafe bezahlen konnte, wurde ihnen Als ausweg angeboten, beim Bau der - richtig getippt - katholischen Kathedrale mitzuhelfen.

m wie marrabenta
Die Boheme der 40er und 50er Jahre - als Maputo noch Lourenco Marques hiess - traf sich in Mafalala's Cabarets und Bars. Hier trafen weisse Kolonialisten auf schwarze Mosambikaner auf  Mulatten, Musiker und Tänzer auf Immigranten. Aus dieser einzigartigen Mischung entstand in Mafalala und den anderen Vorstädten Munhuane, Chamanculo, Xipamanine, Alto Mae, Maxaquene der Marrabenta, ein rythmischer afrikanischer Tanz, der aus den ländlichen Gebieten seinen Weg in die Hauptstadt gefunden hatte. Der Tanz besteht aus "seitlichem Rutschen der Füße, zur gleichen Zeit dem Bewegen der Hüften zur Seite und nach vorne und hinten. Das Paar macht seine Schritte, in dem es sich gegenübersteht oder sich herumwirbelt, aber ohne jeden physischen Kontakt", sagt der mosambikanische Schriftsteller Jose Craverinha. Lange nach dem Tod vom "König des Marrabenta", Fanny Mpfumo, erlebt der Tanz jetzt - mit allem Recht - eine zweite Renaissance.

p wie peri-peri
Diese höllisch scharfe Paprikasauce wird zu fast allem gegessen. Peri-Peri nennt sich auch das schon klassische Cafe in der Oberstadt Maputos, an der Kreuzung Ave. Eduardo Mondlande und Ave. Julius Nyerere. Bekannt ist es dafür, selbst während des Bürgerkriegs nie geschlossen zu haben, und - wie könnte es anders sein - für das Huhn à la Peri-peri. In jüngster Zeit können die ersten Verkehrsstaus in Maputo an der Kreuzung komfortabel mitverfolgt werden. Wenn sie dazu noch einen kleinen Radio mit sich nehmen, können die Livereportagen von der Straßenkreuzung vom Stadtradio "Radio Cidade" als akustische Untermahlung zum Erlebnis werden. 

r wie roby, dr. r.m.
Auszug aus einer Zeitungseinschaltung:

"Internationaler Dr. R.M. Roby (spezialisiert auf traditionelle Medizin): Behandelt unheilbare Krankheiten und löst alle Probleme wie: chronische Krankheiten, böse Geister, Erfolg bei Verhandlungen, gibt Glück und Erfolg bei Prüfungen, behandelt sexuelle Impotenz, Probleme zuhause, Erfolg in der Liebe, Tuberkulose, Sterilität, Paralyse, geistige Verarmung, dauernde Kopfschmerzen, Frauen mit Hämoroiden, Rückgewinnung gestohlener Güter."

s wie street of Trouble
Die Rua do Bagamoio ist heute eine heruntergekommene Straße im alten Hafenviertel Maputos. Noch werden wenige Häuser renoviert, manche abgerissen. Die Staße war früher als Wiskeystraße und Street of Trouble bekannt, als Zentrum des Rotlichmilieus und der Prostitution. Von den fünfzehn Bars sind heute nur mehr wenige geöffnet, die Seeleute sind rarer geworden, und die Prostitution hat sich längst den lokalen Rummelplatz, die "Feira Popular", und die neuen In-Lokale wie das Sansala erobert.

t wie trichardt, Louis
Nach der brutalen Schlacht am Blood River schlugen sich die Transvaal-Buren bis an den Delagoa Bay, an dem heute Maputo liegt, durch. Ihr Führer, Luis Trichardt, starb kurz danach nahe der heutigen Hauptstadt an Malaria. Ein bizarrest Denkmal von Trichardt steht heute noch in der Unterstadt von Maputo.

v wie vorsitzender Mao tse tung
Die Statue, die der Nordkoreanische Kim Il Sung dem sozialistischen Mosambik verehrte, stellt den Präsidenten Samoa Machel dar. Allerdings hat der koreanische Machel Gesichtszüge, die dem Vorsitzenden Mao Tse Tung nicht unähnlich sind.

w wie winston Churchill

1899 flüchtete sich der zukünftige britische Premier - damals Jornalist für die Fleet Street Zeitung "Morning Post" - aus der burischen Kriegsgefangenschaft in Pretoria in den damals neu errichteten Sitz der British High Comission an der Ecke Vladimir-Lenin und Patrice Lumumba. Eine Erinnerungstafel, die dieses Ereignis ins Gedächnis zurückruft, ist heute wieder neben dem Eingangstor zu finden, nachdem sie nach der Unabhängigkeit Mosambiks auf die Hinterseite des Gebäudes wanderte. Ein nicht so geliebter Bewohner der Botschaft war deren erster Konsul, ein gewisser Roger Casement, der als bisher einziger britischer Diplomant wegen Landesverrats hingerichtet wurde. 

x wie xima mit Matapa
Xima ähnelt einem weißen, kleinkörnigen Polenta. Darüber wird als Feiertagsessen Matapa gelehrt, ein spinatähnlicher grüner Brei mit intensiver Farbe. Hier eine Anleitung zum Selbermachen von Matapa:

Zutaten: Mandiokblätter (oder Spinatblätter), Knoblauch, Peri-Peri Sauce (scharfe Pfeffersauce), Salz, eine reife Kokosnuß mit Kokuswasser, kleine Schrimps
Zubereitung: Zerstampfen Sie die Mandiokblätter mit etwas Knoblauch, Salz, und Peri-Peri. Kochen sie das ganze, bis der grasige Geruch verschwindet. Legen sie geraspeltes Kokosnußfleisch einige Minuten in Wasser ein, und drücken Sie die Masse aus, um Kokosmilch zu erhalten. Fügen Sie die Kokosmilch und das Wasser der Nuß zum Mandiokabrei hinzu. Kochen Sie das ganze 10 min. Lehren Sie reichlich Matapa über die Ximamasse. Heiß servieren.

 

© Thomas Winderl 1998-2007
Last Update: December 2007