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Lessons Learned? Analyse und Wiederaufbau nach der Überschwemmungskatastrophe Die Auffanglager haben sich geleert, die Flüsse kehrten wieder in ihre Bette zurück, die Hilfsappelle und die dramatische Berichterstattung in den internationalen Medien verstummten. Eine Bestandsaufnahme der Hochwasserkatastrophe Anfang des Jahres wird jetzt möglich. Ende Oktober fand eine gross angelegte internationale Konferenz über die Konsequenzen der Überschwemmungen dieses Jahres statt, und Regierungsinstitute wie das Nationale Katastrophenhilfe-Institut (INGC) und die UN-Organisationen, allen voran das World Food Program (WFP), reflektierten ausgiebig über Lessons Learned. Wie schlimm waren die Überschwemmungen? Was passierte Anfang des Jahres in Süd- und Zentralmosambik? Die mosambikanische Regierung spricht von über 650 Toten aufgrund der Überschwemmungen, etwa 80 Personen gelten als vermisst. Eine Fläche von 30.000 km2, das entspricht etwa dem Gebiet von Ober- und Niederösterreich zusammen, wurden überflutet. Offiziell wird der wirtschaftliche Schaden für das Land mit 500 Millionen USD beziffert. Besseres Wasser-Management Das Ausmass der Überschwemmungen beruhte vor allem auf dem starken Wasserfall im Hinterland, und nicht nur in Mosambik. Präsident Chissano konnte sich auf der "Internationalen Konferenz über die Überschwemmungen" im Oktober 2000 einen Seitenhieb auf die Nachbarländer nicht verkneifen. Vor den zuständigen Ministern der SADC-Länder und internationalen Experten forderte er ein vorsichtiges Management der gemeinsamen Flussläufe im südlichen Afrika, damit auf der gesamten Flussstrecke die angrenzenden Länder vom Wasser profitieren können. Zynisch bemerkte er, dass sowohl ein zuwenig als auch ein zuviel an Wasser töten kann. Das kürzlich revidierte SADC-Protokoll über Wassernutzung verhindert laut Chissano, dass Mosambik "den gesamten Überlauf in Überschwemmungszeiten, aber kein Wasser in Trockenzeiten wegen der Wasserabfuhr am Flussoberlauf erhalten". Nicht gehaltene Versprechen Kritik richtet sich aber auch gegen die internationale Gebergemeinschaft. Armando Guebuza, Fraktionschef der FRELIMO, prangerte auf der Eröffnungssitzung des nationalen Parlaments im Oktober die Langsamkeit der internationalen Gebergemeinschaft bei der Bereitstellung der versprochenen Mittel an. Im Mai 2000 versprachen die Donors in Rom dem Land knappe 453 Millionen USD für den Wiederaufbau, mehr als von der Regierung erbeten wurde. Aber ein Grossteil der Gelder - andere Quellen sprechen von etwa der Hälfte - soll bis vor kurzem noch nicht eingetroffen sein. Transportminister Tomas Salomao musste erst im Oktober wieder die USA daran erinnern, die versprochenen 50 Million USD für die Wiederherstellung der Limpopo-Eisenbahn - die die Provinz Sofala mit Simbabwe verbindet - endlich freizugeben. Besseres Katastrophenmanagment Das zuständige staatliche Nationale Institut für Katastrophenmanagment (INGC) scheint mittlerweile aus seiner langsamen und desorientierten Performance gelehrt zu haben. Sein Direktor, Silvano Langa, wurde stark - und in letzter Zeit öffentlich in den Medien - kritisierte, scheint aber aufgrund guter politischer Beziehungen zur Regierung immun zu sein. Anscheinend bereitet sich das INGC auf weitere mögliche Überschwemmungen vor. Eine Reihe von Evaluierungs- und Planungsveranstaltungen wurden mittlerweile durchgeführt, Trainingsübungen und Simulationen veranstaltet, und die Koordination mit britischen und französischen Militärs wurde für den Ernstfall verbessert. Futter für die desolate Opposition Es wäre eine legitime politische Funktion der Oppositionsparteien, das (durchaus kritisierenswerte) Verhalten der FRELIMO-Regierung an den Pranger zustellen. Dass dies während und nach den Überschwemmung nicht passierte, lässt sich aber kaum als Solidarität der Opposition mit der Regierung interpretieren. Der Eindruck eines nationalen Schulterschlusses im Angesicht einer Überschwemmungskatastrophe lässt sich eher auf die desolate Verfasstheit der grössten Opositionspartei zurückführen. Nach den knapp verlorenen Wahlen Ende 1999, nach Vorwürfen des Wahlbetrugs und nach der vom Obersten Gerichtshof abgewiesenen missglückten Wahlanfechtung ging es für die RENAMO bergab: Frontman Alfonso Dhlakama blamierte sich mit der abstrusen Argumentation, dass er einerseits die Wahlen nicht anerkennt, andererseits aber in den RENAMO-dominierten Provinzen eigene Gouvernateure einsetzen will. Drohungen von der Wiederaufnahme des bewaffneten Widerstandes und einer Teilung des Landes machen seit Monaten die Runde. Sogar die führende regierungskritische Wochenzeitung SAVANA verweigerte daraufhin der RENAMO die Gefolgschaft. Als im September der Fraktionschef und frühere Verhandlungsführer der RENAMO während der Römischen Friedensverhandlungen, Raoul Domingo, aus der Partei ausgeschlossen wurde, war ihr desolate Zustand nur allzu offensichtlich. Die RENAMO, von internen Querelen geplagt, reagierte aus diesem Grund spät mit der erwarteten Polemik gegen die Regierung. Von einer unfähigen Armee war dabei die Rede, und von Luftstreitkräften, die ihre Rolle im Dienste der Opfer der Überschwemmungen nicht erfüllen konnten. Mehr als halbherzige Rhetorik, geschweige denn konstruktive Kritik an den Hilfsaktionen oder programmatische Vorschläge für den Wiederaufbau , kam allerdings nicht von Seiten der Oppositionspartei. Nahrungsmittelhilfe geht weiter Das World Food Program (WFP) musste das im September ablaufende Katastrophenhilfsprogramm um sechs Monate verlängern. Offizielle WFP-Quellen sprechen von einer Reduktion der Anzahl der Hilfsbedürftigen von 500.000 im Juli auf etwa 200.000 Menschen Anfang Oktober. Die Gratis-Verteilung von Nahrungsmittel soll allerdings kombiniert werden mit geplanten Projekten des WFP, die sich - im Bestreben auf Normalisierung - wieder auf food for work konzentrieren. Die Auffassungsunterschiede während und nach den Überschwemmungen zwischen Regierung und den UN-Organisationen wurden öffentlich jedoch kaum angesprochen. Nur ab und zu lässt das WFP durchblicken, dass solche existieren. Im letzten WFP Emergency Report wird etwa erwähnt, dass "der Gouverneur von Gaza (Provinz im Süden Mosambiks, A.d.V) von ernsthaften Nahrungsmittelknappheiten in der Provinz berichtet, aber eine WFP-Studie ergab, dass sich die Nahrungsmittelversorgung der Provinz auf normalem Niveau befindet". Neue Überschwemmungen? Wie wird es weitergehen? Viel hängt davon ab, wie die nächste Regenzeit, die normalerweise im Dezember beginnt, verläuft. Das Nationale Metereologische Institut sagt für die nächste Regenperiode kryptisch "normale" und "erhöhte" Regenfälle voraus. Analysen der Regierung und des WFP gehen von zumindest zwei schlechte Erntesaisonen aus. Der Grossteil der nächsten Erträge wird deshalb vor allem für den Eigengebrauch verwendet werden. Dazu wurde vielen Vertriebenen noch kein Ernteland zugeteilt, und damit bleiben sie für Nahrungsmittelknappheit extrem anfällig. Die Böden in den überschwemmten Gebieten sind noch völlige überwässert, und können kaum zusätzlich Wasser aufnehmen. Einige während der Überschwemmungen gebildete Seen sind noch nicht ausgetrocknet. Deshalb genügen wahrscheinlich schon "normale" Wassermengen, um zumindest lokal neue Überflutungen auszulösen. Es bleibt zu hoffen, dass in diesem Falle die nationalen und internationalen Akteure besser vorbereitet sind. Es ist Zeit für eine erste Zwischenbilanz: Die Hubschrauber ziehen aus Mosambik ab, und die dramatischen Bilder sind aus den internationalen Medien verschwunden. Was bleibt von der ersten Naturkatastrophe im dritten Jahrtausend? Dieser Text erschien erstmals in "A luta continua", 2000
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© Thomas Winderl 1998-2007 |
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